Die Arbeit von Sardar und Pablo beginnt dann, wenn sich die meisten von uns in den wohlverdienten Feierabend verabschieden: Ihre Schicht startet um 19 Uhr, wenn die ersten Busse in die Garage Hardau einfahren. Dann geht es ruckzuck: Die Fahrzeuge werden getankt, geparkt und schliesslich von einem Mitarbeiter gereinigt.
Bei der täglichen Reinigung bleiben nur gerade zehn Minuten Zeit, um den Abfall einzusammeln, den Boden zu wischen und die Frontscheiben zu waschen. Kein Wunder, schliesslich müssen pro Nacht um die 170 Busse geputzt und wieder sauber gemacht werden. Eine umfassendere Reinigung, bei der beispielsweise auch die Haltestangen, Fenster und Sitze gründlicher gesäubert werden, findet alle sechs Monate statt.
Unerwarteter Besuch im Depot: Wenn Fahrgäste die Endstation verschlafen
Besonders arbeitsintensiv sind die Wochenenden, wenn auch Nachtbusse im Einsatz sind. Dann kommt es schon mal vor, dass betrunkene Fahrgäste sich im Bus übergeben müssen. In einem solchen Fall müssen die Teams von Sardar und Pablo grösseres Geschütz auffahren und es muss auch manchmal ein Sitz ausgetauscht werden. Er nehme solche Situationen gelassen, sagt Sardar: «Am Wochenende wollen die Leute Party machen und Spass haben. Wir haben dadurch mehr Arbeit, aber wir machen unseren Job und sorgen dafür, dass alles wieder sauber wird.»
Hie und da kommt es vor, dass die Fahrzeugreiniger im Depot unerwarteten Besuch bekommen: Zum Beispiel, wenn jemand von Müdigkeit übermannt verpasst hat, rechtzeitig auszusteigen. Dann gehen die Fahrzeugreiniger leise durch den Gang, tippen an die Rückenlehne, wecken die Person und begleiten sie aus dem Depot hinaus. Ist es eine Frau, rufen sie allenfalls sogar die Polizei, denn berühren dürfen die ausschliesslich männlichen Reiniger sie nicht.
Ins Bett, wenn die Sonne wieder aufgeht
An einem gewöhnlichen Tag endet die Schicht von Sardar und Pablo kurz vor 4 Uhr morgens. Bis sie tatsächlich im Bett liegen, geht meist schon fast die Sonne auf. Stören tue ihn die Nachtarbeit aber nicht, sagt Pablo: «Ich habe mich an den Rhythmus gewöhnt und geniesse es, dafür tagsüber frei zu sein. Dann gehe ich zum Beispiel ins Fitness oder auf den Fussballplatz.» Auch Sardar, der Familienvater ist, schätzt es, dass er am Tag Zeit für seine Familie findet. Er arbeitet bereits seit 2016 im Fahrzeugreinigungsteam und ist seit 2023 Teamleiter.
18 Personen arbeiten insgesamt in der Fahrzeugreinigung. Die meisten von ihnen stammen ursprünglich aus Albanien, Eritrea, Portugal oder Brasilien und haben hier in der Garage Hardau zusammengefunden. Trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer kulturellen Vielfalt sind sie eine eingeschworene Truppe, die am gleichen Strick zieht und sich auch bei privaten Angelegenheiten unterstützt. «Wir sind füreinander wie eine zweite Familie», sagt Sardar im vollen Bewusstsein darüber, dass «Familie» ein grosses Wort ist.
Höre die ganze Geschichte von Sardar Bapir und Pablo Zárate in unserem VBZ Karrierekompass Podcast.