«Morgens in die verschlafenen Gesichter der Passantinnen und Passanten zu blicken, hat seinen ganz eigenen Reiz.»

VBZ Admin
Nach über fünf Jahren als Trampilot steuert Diedon das blau-weisse Tram genauso souverän durch die Stadt wie seinen Golf 7 GTI CS. Während er sich im Berufsalltag die Hände kaum schmutzig macht, schraubt er in seiner Freizeit leidenschaftlich gern an Autos herum. Nach Feierabend tauscht er die Fahrerkabine deshalb am liebsten gegen das Lenkrad und fährt an den See. Wenn er sich im Hafen Enge mit Freunden zum Chillen trifft, kann er herunterfahren und geniesst seinen persönlichen «ZüriLove»-Moment.

Dass Diedon 2020 zu den VBZ kam, verdankt er einem glücklichen Zufall: Sein damaliger Nachbar, selbst Serviceleiter bei den Verkehrsbetrieben Zürich, machte ihn auf die Stelle als Trampilot aufmerksam. «Zuvor hatte ich noch nie von den VBZ als Arbeitgeberin gehört und wäre nie darauf gekommen, mich für den Fahrdienst zu bewerben. Das Einzige, was ich wusste, war, dass man den Trams und Bussen in Zürich besser nicht in die Quere kommt», lacht Diedon. Gewöhnlich war der 29-Jährige, der mit seiner Familie in Volketswil lebt, nämlich mit seinem Auto in der Stadt unterwegs.

 

Intensiver Start: Ausbildung zum Trampilot in nur 43 Tagen

Das änderte sich schlagartig, als er mit der Ausbildung zum Trampilot begann. Schon am ersten Tag fuhr Diedon erste Manöver im Tramdepot. Kurz darauf ging es auch schon hinaus auf die Strasse. «Man bekommt keine Schonfrist. Das Übungsgelände sind die Strassen der Stadt. Es war ein Sprung ins kalte Wasser», erinnert er sich. Die professionelle Ausbildung zum/zur Trampilot*in dauert nur 43 Tage. In dieser Zeit lernen die Aspirant*innen alles, was es braucht, um selbst ein Tram zu lenken. Neben Fahrpraxis ist das vor allem viel Theorie. Fachbegriffe, technische Grundlagen, betriebliche Abläufe, verschiedene Tramtypen – in den ersten Wochen muss man sich enorm viel Wissen aneignen. «Ich habe am Anfang oft nur Bahnhof verstanden und am Abend hat mir regelrecht der Kopf gebrummt», erzählt Diedon und fügt an: «Es war eine intensive Zeit. Ich musste mich durchbeissen.» Dass er trotzdem dran blieb, lag nicht zuletzt an der guten Stimmung in seiner Ausbildungsklasse. «Ich hatte einen guten Ausbildner und nette Kolleg*innen. Mit Teamgeist und Humor haben wir uns gegenseitig durch diese Phase getragen.» 

 

Genügend Freizeit dank cleverer Schichtplanung

Für Diedon war die berufliche Neuorientierung und der Wechsel vom Detailhandel in den Fahrdienst der VBZ eine grosse Umstellung. Während er im früheren Job oft den ganzen Tag auf den Beinen war, bewegte er sich plötzlich kaum noch. «Anfangs hatte ich Mühe, mehrere Stunden am Stück zu sitzen und es schlug mir arg auf den Rücken. Aufgrund des Bewegungsmangels legte ich ausserdem an Gewicht zu», erzählt er von den gesundheitlichen Herausforderung zu Beginn. Inzwischen treibt er regelmässig Sport und hat darin einen guten Ausgleich zum Berufsalltag gefunden. Sechs Mal pro Woche trifft man Diedon im Gym an. Weniger ausgemacht habe ihm von Anfang an der Schichtbetrieb: «Damit komme ich gut zurecht. Ich kann meine Einsätze glücklicherweise fast problemlos mit meinem Privatleben vereinbaren.» Manchmal habe er derart viel Freizeit, dass seine Freunde ihn sticheln und fragen würden, ob er arbeitslos sei. Dabei plane er seine Schichten einfach clever und hole so möglichst viele freie Tage heraus, berichtet er schmunzelnd.

 

Am Puls der Stadt: Als Trampilot sieht er Zürich jeden Morgen aufwachen

Aktuell arbeitet Diedon fast ausschliesslich in der Frühschicht und sieht Zürich jeweils aufwachen. «Morgens in die verschlafenen Gesichter der Passantinnen und Passanten zu blicken, hat seinen ganz eigenen Reiz. Oft schauen sie etwas grimmig, doch wenn ich mit dem Tram pünktlich einfahre, erhellt sich ihr Blick und die Welt ist in Ordnung.» Aufgrund des frühen Starts am Morgen endet sein Arbeitstag oft bereits mittags, spätestens aber um 15 Uhr. «So bleibt mir noch recht viel vom Tag. Ich habe heute deutlich mehr Freiraum als früher. In meinem letzten Job hatte ich erst gegen 18 Uhr Feierabend und danach kaum noch Energie für andere Dinge.» Etwa für seine beiden Kinder, Sport oder sein grösstes Hobby: Das Tunen von Autos.

 

Nach dem Tramfahren an den See zum Herunterfahren

Ein Trampilot, der in seiner Freizeit Autos aufmotzt? Tatsächlich passen Diedon’s Berufs- und Privatleben auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammen, ergänzen sich jedoch perfekt. «Im Job als Trampilot trage ich ein weisses Hemd und bekomme nie schmutzige Hände. Genau deshalb finde ich es in meiner Freizeit schön, auch mal dreckig zu werden und am Ende zu sehen, was ich gemacht habe.» In den letzten fünf Jahren hat Diedon gemeinsam mit seinen Freunden aus der Tuning-Szene ganze sieben Autos zerlegt und neu zusammengebaut. «Wir ändern zum Beispiel die Felgen, die Farbe oder den Auspuff und basteln herum, bis es uns gefällt», erzählt er. Genauso viel Zeit wie fürs Herumschrauben nimmt er sich, um seinen Golf 7 GTI CS auszufahren. Mehrmals pro Woche verabredet er sich mit seinen Freunden zu einem Autotreff in der Stadt Zürich. Sein liebster Spot: Der grosse Parkplatz beim Hafen Enge. «Wenn wir dort bei schönem Wetter zusammen chillen, lachen und einfach den Moment geniessen, kann ich richtig herunterfahren. Das ist mein persönlicher ‹ZüriLove›-Moment›», schwärmt er. In der Schweiz sei das Leben oftmals derart durchgetaktet, dass er es schätze, einfach einmal nicht viel überlegen zu müssen und keinen grossen Plan zu haben.

 

Im Freundeskreis als ‹Trampilot› bekannt

Wenn Diedon wie im beschriebenen «ZüriLove»-Moment mit seinem Auto in der Stadt unterwegs ist, kommt es nicht selten vor, dass er reflexartig die Hand hebt, um einer Kollegin oder einen Kollegen im vorbeifahrenden Tram zu winken – so wie es unter Arbeitskameraden bei den VBZ üblich ist. «Wenn das passiert, muss ich lachen und merke, wie stark ich mit meinem Beruf verbunden bin», sagt er. Dass er Trampilot ist, sei sozusagen sein «Stand-alone-Merkmal»: «Viele meiner Freunde nennen mich nicht beim Vornamen, sondern sagen einfach ‹Trampilot› zu mir». Stören tut ihn das nicht. Vielmehr macht es ihn stolz, dass er sich durch seine – zumindest in seinem Freundeskreis – exotische Berufswahl abheben kann.

 

Wir haben Diedon gefragt, er hat geantwortet: 

Besonders lebendig fühle ich mich, wenn ich zwischen Bürkliplatz und Bellevue im Tram den Sonnenaufgang sehe.

Am liebsten bin ich mit der Linie 14 unterwegs.

Mein Job bei den VBZ finde ich abwechslungsreich.

Wenn ich aus Volketswil wegziehen müsste, würde ich in ein Dorf auf dem Land gehen.

Mein liebster Anlass in Zürich ist das Knabenschiessen.

Die VBZ als Arbeitgeberin kann ich empfehlen, weil sie gute Perspektiven bietet und eine sichere Arbeitgeberin ist.

Wenn ich an den VBZ etwas verbessern könnte, wäre es, dass das Betriebsklima noch etwas positiver ist.

Ich trage zum Puls der Stadt Zürich bei, weil ich für die Stadt arbeite.

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